SAD - Saisonabhängige Depression
 
 
Die Saisonabhängige Depression (SAD) oder Winterdepression wurde erst 1987 als Krankheit beschrieben und anerkannt. Viele Millionen Menschen leiden alljährlich in der dunklen Jahreszeit über Antriebsarmut und Stimmungsschwankungen. In Gegenden unserer Erde mit deutlich unterscheidbaren Jahreszeiten sind die Menschen in Herbst und Winter nervöser als im Frühjahr und Sommer. Lichtmangel im Herbst und Winter bringt die innere Uhr der Betroffenen aus dem Takt und verursacht Stoffwechselstörungen im Gehirn.  Diese rufen das Krankheitsbild der Depression hervor. Eine schwächere Ausprägung von SAD ist als "Herbstblues" bekannt. SAD unterscheidet sich medizinisch nicht von der "normalen" Depression, denn die Stoffwechselstörungen im Gehirn sind die gleichen. SAD kann erfolgreich mit Lichttherapie behandelt werden.


 
Welches sind die Kriterien für das Vorliegen einer SAD?

Folgende Diagnosekriterien müssen überprüft werden, um SAD zu diagnostizieren:

  • Auftreten der Symptome im Herbst zwischen Anfang September und Ende November
  • Nachlassen oder Verschwinden der Symptome zwischen Mitte Februar und Mitte April
  • Auftreten solcher depressiver Episoden in drei Kalenderjahren, wobei mindestens zwei dieser drei Jahre aufeinander folgten
"SAD" ist ein scheinbar gelungenes Kürzel, da ein SAD-Kranker traurig, sad (englisch) für Außenstehende wirkt. Ein echtes Traurigsein liegt bei der Depression jedoch überhaupt nicht vor, der Betroffene ist zur Trauerarbeit gar nicht fähig. Das Kürzel "SAD" ist daher originell, aber leider nicht treffend!
Welche gesundheitlichen Beschwerden treten bei SAD auf?
Es sind dieselben Symptome wie bei der "normalen Depression": Störungen bei Schlaf, Antrieb und Stimmung, Gefühls- und Denkhemmung, mangelnde Kreativität, Konzentrationsstörungen, Essstörungen und Störungen im Verhalten, Angstzustände, starke körperliche Beschwerden "ohne organische Ursache", Trübsinnigkeit, verändertes Verlangen nach Sexualität, Gedächtnisstörungen, mangelnde Einsichtsfähigkeit, Energielosigkeit, erhöhte Reizbarkeit, Schlaf ohne Erholungseffekt, verstärkter Appetit auf Süßes, Appetitlosigkeit bis hin zu Selbstmord, bzw. -stimmung. Diese Symptome können auch zu sozialen Spannungen und Konflikten im Privat- und Berufsleben führen.
Welche Ursachen gibt es für SAD?
Bei der SAD liegt wie bei der "normalen Depression" eine Störung des Gehirnstoffwechsels, d.h. ein Mangel an bestimmten Gehirnbotenstoffe (Neurotransmitter wie Serotonin, Noradrenalin, Dopamin) vor. Die Ursache für dieses Defizit ist Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit. Die Innere Uhr läuft nicht mehr im Takt, die Ausschüttung der Hormone gerät aus dem Rhythmus, was dann zu erheblichen, quälenden Beeinträchtigungen führen kann. Menschen mit SAD fehlt tatsächlich lediglich ein gewisses Quantum Sonne, um das gewohnte Wohlbefinden und die Lebensfreude zu behalten bzw. wiederzubekommen. Warum genau manche Menschen diesen Lichtmangel nicht gut kompensieren können, welche Mechanismen hier versagen, ist noch nicht geklärt. 

In den letzten Jahrzehnten hat das Auftreten von Depressionen deutlich zugenommen, auch immer mehr jüngere Menschen sind davon betroffen. 
In der technisierten Zeit hat sich der Mensch von seiner natürlichen Umwelt weitgehend unabhängig gemacht, ersetzt die Außentemperatur durch geheizte Räume und das Sonnenlicht durch künstliche Beleuchtung. Über Jahrtausende hinweg war das Leben der Menschen bestimmt durch den Wechsel von Tag und Nacht, von Licht und Dunkelheit. Früher stand man auf, wenn es hell wurde, arbeitete tagsüber häufig draußen und legte sich zur Ruhe, wenn die Nacht kam. Mit der Erfindung des künstlichen Lichts verringerte sich die Abhängigkeit des Menschen vom natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Die Folge waren gravierende Veränderungen im Lebens- und Arbeitsalltag. Heute spielt sich ein immer größerer Teil unseres Lebens in Innenräumen ab. Viele verbringen ihren ganzen Tag in künstlich beleuchteten Büroräumen, Geschäften, Fabrikhallen; zum Sehen reicht dieses Licht zwar aus, aber für unser Wohlbefinden insgesamt ist es dennoch nicht hell genug.

Zudem leiden viele Menschen in Industrienationen unter Dauerübermüdung, in den letzten 100 Jahren hat sich die durchschnittliche Schlafdauer um ein Fünftel verkürzt. Der chronische Mangel an Licht und Schlaf bringt den Neurotransmitter-Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht und verursacht die Krankheit Depression.

Wie verbreitet ist SAD in der Bevölkerung?
Das Vorkommen der SAD (leichte und schwere Form) ist z.B. abhängig vom Breitengrad und damit von der Tageslichtdauer und der Lichtintensität. In Florida leiden 4% der Menschen unter SAD, in New York sind es 17%, in Alaska 28%. Dagegen gibt es Völker in Äquatornähe, die Depressionen und dadurch bedingte Selbstmorde überhaupt nicht kennen. Die Intensität des Lichtes ist entscheidend, mit der sich Menschen eines Kulturkreises dem Sonnenlicht aussetzen bzw. aussetzen können. Bei uns in Deutschland wird die Zahl der Betroffenen auf zehn Millionen Menschen geschätzt, andere Fachleute gehen davon aus, dass mindestens 20 Millionen Deutsche eine Anfälligkeit für SAD besitzen und mehr oder weniger jahreszeitlich abhängige Veränderungen ihrer Stimmung und ihres Verhaltens erleben. Die Anfälligkeit für SAD ist sicherlich genetisch bedingt. Frauen leiden etwa dreimal so häufig wie Männer unter SAD. 
Wie wird SAD behandelt?
Das Mittel erster Wahl ist die Lichttherapie. Mit der Lichtbehandlung  wird das Lichtdefizit kompensiert und damit versucht, die Ursache zu beseitigen. Es ist erwiesen, dass Licht für zahlreiche Abläufe im menschlichen Körper als Zeitgeber wirkt. Dabei gelangt das helle Tageslicht über das Auge und die Sehnerven in Form elektrischer Impulse zur inneren Uhr unseres Gehirns. Dieser kleine Zellhaufen im Gehirn (SCN, nucleus suprachiasmaticus) nutzt die Hell-Dunkel-Informationen und veranlasst andere Hirnstrukturen zur rhythmischen Ausschüttung chemischer Botenstoffe (Neurotransmitter), z.B. Melatonin, Serotonin und Noradrenalin. Diese Neurotransmitter regeln u.a. verantwortlich für Schlaf, Stimmung, Konzentrationsfähigkeit, kognitive Fähigkeiten und Antrieb.

Bei der Depression liegt ein Defizit an Serotonin, Noradrenalin u.a. Botenstoffen vor. In Kombination zur Lichttherapie kann der Einsatz von Wirkstoffen sinnvoll sein, welche diesen Mangel kompensieren. Diese sogenannten Antidepressiva kurbeln die natürliche Produktion der Botenstoffe wieder an, hemmen ihren Abbau oder erhöhen ihre Verfügbarkeit. Antidepressiva haben kein Suchtpotential und hinterlassen auch bei längerer Einnahme keine Schädigungen. Manchmal treten unangenehme Nebenwirkungen auf.

Wo gibt es weitere Informationen zu SAD?
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