Forschung aktuell
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Magnetstimaltionstherapie Um der Volkskrankheit Depression Herr zu werden, bietet
die Psychiatrische Universitätsklinik Innsbruck in Zusammenarbeit
mit dem Landeskrankenhaus Rankweil in Vorarlberg erstmals eine völlig
neue, nebenwirkungsfreie Therapie an. Transcranielle Magnetstimulationstherapie
heißt das neue Zauberwort bei der Behandlung von schweren Depressionen.
Auch am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München wird mit
einem sogenannten Pat-Scanner die Wirkung einer Substanz gegen Depressionen
untersucht. Der völlig neue Ansatz dort: Es gibt einen Zusammenhang
zwischen Depression und
In der Hypophyse wird eine Substanz namens CRF gebildet. CRF gelangt über die Blutbahn in die Nebennierenrinde. Dadurch werden hier Stresshormone ausgeschüttet. Nach bisherigen Erkenntnissen funktioniert die ausgewogene Balance des Regelkreises bei Depressiven nicht mehr. Es herrscht deshalb immer Dauerstress - mit CRF als übergeordnetem Faktor. Die Münchner Forscher wollen daher die Wirkung oder Entstehung der Substanz CRF blockieren. Sie veränderten deshalb das Erbgut von Mäusen so, daß diese kein CRF mehr bilden konnten. Das Ergebnis: Kein CRF bedeutet keinen Stress und damit keine Angst mehr - zumindest bei Mäusen. Die Forscher haben jetzt eine Substanz gefunden, die auch beim Menschen CRF blockiert. Der Wirkstoff wird bereits klinisch erprobt. Bei depressiven Patienten kommt es zu einer Unterfunktion
des linken frontalen Hirnlappens. Schwere Stoffwechselstörungen im
Gehirn können unbehandelt schwere Depressionen auslösen. Genau
hier setzt die neue, medikamentenfreie Behandlungsmethode ein. Elektrisch
erzeugte Magnetfelder dringen durch die Schädeldecke zum betroffenen
Hirnareal vor. Dadurch werden die Nervenzellen im Stirnlappen zur vermehrten
Aktivität angeregt. Nach der Stimulation verspürt der
Magnetstimulation hilft jedem dritten depressiven Patienten Der transkraniellen repetitiven Magnetstimulation, der kleinen und schonenden Schwester der Elektrokrampftherapie, stimmen Kranke gerne zu. Der Patient sitzt hier entspannt im Sessel. Wäre da nicht die Magnetspule vor seiner Stirn sowie das leichte Klopfen und Zittern unter der Schädeldecke, nichts würde ihn an eine Behandlung erinnern. Als er wieder aufsteht, geht es ihm besser: Die Traurigkeit, die Unruhe, das fruchtlose Grübeln sind ein wenig schwächer geworden. Transkranielle repetitive Magnetstimulation heißt die Methode, die seit Mitte der 90er Jahre hauptsächlich bei Depressionen angewandt wird. Sie wirkt über einen elektrischen Strom, der die Nervenzellen eines umschriebenen Hirnareals in ihrer Aktivität anregt. Insofern ist sie gewissermaßen die kleine und schonende Schwester der Elektrokrampftherapie (EKT), bei der unter Vollnarkose das gesamte Gehirn gereizt wird. "Der Vorschlag einer EKT erschreckt die meisten Patienten, obwohl die Erfolge gut sind. Einer Magnetstimulation dagegen stimmen sie bereitwillig zu", so die Erfahrung von Dr. Gerhard Eschweiler, der das Verfahren an der Tübinger Universitätsklinik in einer Studie untersucht. Wie Eschweiler auf einer Tagung dort berichtet hat, hilft die Methode etwa einem Drittel der depressiven Patienten. Das Ziel der Studie in Tübingen - ebenso wie an bundesweit neun weiteren Zentren - besteht darin, die Therapie zu optimieren und jenes Kollektiv einzugrenzen, das davon profitiert. Nach ersten Ergebnissen sind es Patienten mit mittelschweren Depressionen ohne kognitive Störungen, wie Eschweiler sagte. Um kognitive Störungen festzustellen oder auszuschließen, verwenden er und seine Kollegen die Nah-Infrarotspektroskopie. In der Neonatologie längst etabliert, ist sie in Tübingen nun für Erwachsene weiterentwickelt worden: Während der Patient rechnet oder zeichnet, dringen Photonen aus dem nahen Infrarot durch die Schädeldecke und werden je nach Dichte des Blutes absorbiert oder reflektiert. Ist das Frontalhirn gut durchblutet, ist das ein Zeichen dafür, daß es auch effektiv arbeitet. Die Magnetstimulation birgt allerdings noch andere Möglichkeiten
als nur die Therapie bei Depression. Derzeit wird zum Beispiel ihre Wirkung
bei Schizophrenie, Tinnitus und Zwangserkrankungen geprüft. Außerdem
eignet sie sich auch als Instrument der Diagnose: Neurologen können
so das Gehirn kartieren oder Medikamenteneffekte aufdecken.
Magnetimpulse reizen Regionen im Gehirn, wo die Ursache für Gedankenarmut und Antriebsschwäche liegt. Bei der Magnetstimulation wird ein kurzer, starker Strom mit einer Frequenz von zehn Impulsen pro Sekunde durch die Spule geschickt. Senkrecht dazu bildet sich dann ein Magnetfeld aus. Dieses wiederum erzeugt im Gewebe ein sekundäres elektrisches Feld, das die Neuronen zum Feuern bringt. Nach fünf Sekunden folgt stets eine Minute Pause, und so im Wechsel insgesamt zwanzig Mal. Meist findet täglich eine Sitzung statt, und das bis zu drei Wochen lang. Auf speziellen Fragebögen kreuzen Arzt und Patient regelmäßig an, ob eine Besserung eingetreten ist. Die Stärke des Magnetfelds liegt bei 1,5 Tesla. Den genauen Wert individuell zu titrieren, erfordert Feinarbeit: Dazu senden Eschweiler und seine Kollegen Einzelimpulse zunehmender Intensität auf den Teil der Gehirnrinde, der Bewegungen steuert. Wenn der Daumen der Gegenseite zu zucken beginnt, haben sie den gesuchten Schwellenwert gefunden und stimulieren damit jenes Areal des Stirnhirns, das unter den Geheimratsecken liegt. Dort wurde eine Wurzel von Gedankenarmut und Antriebsschwäche lokalisiert. Diese Ortsbestimmung, mit bildgebenden Verfahren jüngst bestätigt, entsprang der alten Erkenntnis, daß Verletzungen in diesem Bereich ähnliche Symptome hervorrufen wie eine Depression. Zwar sind auch das limbische System und der Hypothalamus
wichtige Gefühlsvermittler, allerdings liegen sie in der Tiefe des
Gehirns. Die Magnetstimulation dringt jedoch nur zwei bis vier Zentimeter
unter die Schädeldecke. Entferntere Schichten werden aber indirekt
erreicht. (ars)
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