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| Genetische Basis der Neigung zu Suizid bestätigt
Genabweichung und ein erhöhtes Risiko für Selbstmord stehen im Zusammenhang Münchner Forscher haben entdeckt, dass regulierende Abschnitte eines Gens mit einem erhöhten Suizidrisiko assoziiert sind. Dieses Gen ist am Serotonin-Stoffwechsel beteiligt und enthält den Bauplan für ein Transportprotein. In einer Untersuchung an 290 Personen haben die Wissenschaftler von der Universität München einen klaren Zusammenhang gefunden zwischen Selbstmord und der kurzen Version eines DNA-Abschnitts, der der Startpunkt für das Ablesen der genetischen Information ist und als Promotor bezeichnet wird. Menschen, die homozygot sind für das S-Allel, der kurzen Version dieser Regulatorregion, haben ein drei Mal so hohes Risiko, Selbstmord zu begehen, als Homozygote mit der langen Version (L-Allel). Wer heterozygot für die Allele ist (L/S), hat noch ein doppelt so hohes Risiko wie Menschen mit dem L/L-Polymorphismus. Die Ergebnisse sind statistisch hochsignifikant, sagte Dr. Joachim Kuznik vom Institut für Rechtsmedizin der Universität München während einer Forensik-Tagung in Essen. Dass die Neigung, auf persönliche Krisen mit Suizid zu reagieren, eine genetische Komponente habe, sei aus Familien- und Zwillingsstudien bekannt, so Kuznik. Welche Abschnitte auf der DNA aber von Bedeutung sind, habe man bislang nicht gewusst. Anfang 2000 habe eine kanadische Arbeitsgruppe einen Zusammenhang zwischen dem Polymorphismus des Serotonin-2A-Rezeptor-Gens und Suizidgedanken bei schwer depressiven Menschen gefunden. In der Münchner Untersuchung an 155 Suizidenten und 135 Kontrollpersonen, die aus anderer Ursache gestorben waren, ließ sich ein solcher Zusammenhang nicht finden. Auch andere Forscher hätten die kanadischen Ergebnisse nicht reproduzieren können. Ob die Funktion des Serotonin-Transportproteins bei der Suizidneigung bedeutsam ist, ist noch unklar, wie Kuznik der "Ärzte Zeitung" sagte. Menschen mit dem S-Allel der Regulatorregion bilden weniger von dem Eiweiß als Menschen mit der L-Form. Das Protein transportiert Serotonin aus dem synaptischen Spalt zurück in das präsynaptische Neuron. Serotonin wirkt tendenziell beruhigend. Möglicherweise gebe es bei Menschen mit einer geringen Transportkapazität für den Botenstoff Regulationsmechanismen dazu, die die Impulsivität und Autoaggression verstärkten. "Selbst wenn unseren Studienergebnissen zufolge der Zusammenhang zwischen
dem Polymorphismus in dieser Regulatorregion und einem erhöhten Selbstmordrisiko
eindeutig ist, ist das nur eine von vielen - unter anderem genetischen
- Komponenten.
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