Forschung aktuell
Ärzte Zeitung, 06.07.2001
Magnetstimulation hilft vier von zehn schwer Depressiven
Effektivität der Methode in zwölf placebokontrollierten Studien nachgewiesen
BERLIN (nsi). Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) wird sich künftig vermutlich in der klinischen Praxis zur Therapie bei schweren Depressionen etablieren. Etwa zwölf placebokontrollierte Studien belegen die Wirksamkeit der Methode.
Das ist beim Weltkongreß für Biologische Psychiatrie in Berlin berichtet geworden. Die Ansprechraten, beurteilt als deutliche Besserung nach international verwendeten diagnostischen Kriterien wie dem Hamilton-Depression-Score, liegen zwischen 30 bis 40 Prozent bei Patienten, die auf keine andere Therapie angesprochen haben, wie Dr. Frank Padberg von der Ludwig-Maximilians-Universität in München gesagt hat.
Bei der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) wird eine Magnetspule am Kopf im Bereich des präfrontalen Cortex positioniert, einer Hirnstruktur, die mit der Entstehung anhaltender Stimmungstiefs in Verbindung steht. Das magnetische Feld erzeugt einen Strom, dessen Stärke der natürlicher elektrischer Impulse der Nervenzellen entspricht. Diese werden erregt und steigern ihren Stoffwechsel. Das verstärkt die Durchblutung der stimulierten Areale. Meist erhalten die Patienten an zehn Tagen eine Behandlung von je zwanzig Minuten Dauer mit gepulsten Stimuli.
Die Methode hat kaum unerwünschte
Effekte. Werde mit sehr hohen Frequenzen in extrem kurzen Abständen
stimuliert, könnten Krampfanfälle ausgelöst werden, sagte
Padberg zur "Ärzte Zeitung". Fünf Prozent der Patienten bekämen
leichte Kopfschmerzen