| Der Schlafrhythmus, die Schlafmenge und vor allem die Schlafqualität spielen eine lebenswichtige Rolle. Die Schlafforschung, die Chronobiologie (die Lehre vom Leben nach der Inneren Uhr) und die Depressionsforschung sind eng miteinander verzahnt. Schlafstörungen können die Lebensqualität eines Menschen z.B. durch Konzentrationsstörungen, körperliche Beschwerden oder Depressionen enorm einschränken und verursachen in unserer Gesellschaft Katastrophen, Unfälle und Schäden in Höhe mehrerer Hundert Milliarden Euro. |
| Was ist gesunder Schlaf?
Wir zeichnen hier ein Bild des idealen Schlafverhaltens. Dass dies von keinem Menschen erfüllt werden kann, ist selbstverständlich, doch anstreben sollte es ein jeder! Gesundes Schlafverhalten zeichnet sich in erster Linie durch konsequente Einhaltung eines regelmäßigen Schlaf/Wach-Rhythmus aus! Ideales Schlafverhalten und die optimale Einstellung der Inneren Uhr ist schwierig zu verwirklichen, doch durch folgende Verhaltensweisen kann man diesem Idealzustand sehr nahe kommen:
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Welche Schlafstörungen
gibt es?
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| Jet-Lag
Das Überfliegen mehrerer
Zeitzonen in kurzer Zeit macht vielen Reisenden nach der Ankunft erheblich
zu schaffen, es führt zu Störungen des biologischen Rhythmus.
Typische Jet-Lag-Symptome stellen sich ein: Man schläft schlecht ein,
ist dann mitten in der Nacht hellwach und hat tagsüber mit Müdigkeit
zu kämpfen. Hinzu kommen Konzentrationsstörungen, Gereiztheit,
Antriebsarmut, Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme etc.
Was kann man gegen Jet-Lag tun? Ideal ist es, in der Woche vor dem Flug über mehrere Zeitzonen den eigenen Rhythmus sanft in Richtung der Ortzeit zu verschieben, die am Zielort herrscht, und möglichst ausgeruht die Reise zu beginnen. Während des Fluges ist viel Bewegung und reichliche Flüssigkeitsaufnahme sinnvoll, auch kurze Schläfchen haben einen Jet-Lag mildernden Effekt. Nach der Ankunft sollte man seiner Inneren Uhr die Umstellung auf die neue Ortszeit durch folgende Maßnahmen erleichtern: Halten Sie sich mit Ihrer Tagesplanung strikt an die neue Tageszeit, nehmen Sie intensiv am sozialen Leben teil, seien Sie tagsüber so aktiv wie möglich und setzen Sie sich möglichst viel dem Sonnenlicht aus, damit das Licht als effektivster Taktgeber auf Ihre Innere Uhr wirken kann. Früh morgens sollte man sich viel im Freien körperlich bewegen, um Schwung für den Tag zu haben und abends besser zur Ruhe zu kommen. Nur in Ausnahmefällen sollte man zu kurz- bis mittelang wirkenden Schlafmitteln greifen. In manchen Ländern wird Melatonin eingenommen, das als natürliches Schlafmittel wirkt, aber in Deutschland wegen eventueller Nebenwirkungen nicht zugelassen ist.
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| Schichtarbeit
In der Bundesrepublik Deutschland arbeiten knapp fünf Millionen Menschen mindestens gelegentlich nachts, darunter 800.000 Menschen ständig. Nachtschichtarbeit bringt viel Risiken für die Arbeiter mit sich:
Chronobiologische Erkenntnisse helfen dabei, Schichtpläne so zu gestalten, dass die negativen Folgen der Schichtarbeit etwas reduziert werden können. Da Menschen eine durchwachte Nacht problemlos in der folgenden Nacht kompensieren können, sieht der ideale Schichtplan nur vereinzelte Nachtschichten vor. Das ist allerdings vor allem aus Planungsgründen kaum möglich. Als zweitbeste Variante empfiehlt die Chronobiologie deshalb maximal drei Nahtschichten hintereinander. So lange versucht die Innere Uhr gar nicht erst wirklich, sich umzustellen - was ja letztlich ohnehin erfolglos bliebe. Ein schnell rotierendes Schichtsystem mit wenigen tagen in der gleichen Schicht ist chronobiologisch besser zu bewältigen als ein langsam rotierendes, etwa eines im Wochenrhythmus. Wechselschichten sollten immer nach vorne rotieren, also in der Reihenfolge Frühschicht - Spätschicht - Nachtschicht. Dann muss man nämlich keine zusätzliche Verkürzung des inneren Rhythmus verkraften, an die sich der Organismus ja nur ganz besonders schwer anpasst Generell sollten auch jüngere Menschen nur wenige Jahre Schichtarbeit leisten, damit ihre Innere Uhr die Chance hat, wieder in den normalen Takt zurückzukehren.
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| Der Mittagsschlaf (von
Jürgen Zulley, Uni Regensburg)
Er ist Inhalt alter Weisen,
Vorlage vieler Darstellungen alter Meister und doch ist er aus unserem
Alltag fast verschwunden - der Mittagsschlaf. Belächelt als Zeichen
von Schwäche, welcher nur Kindern, Alten und Kranken zugebilligt wird,
erlebt er in letzter Zeit einen weltweiten Wiederentdeckung. Verursacht
wurde diese Renaissance durch die Anforderungen der technisierten Umwelt
an den Menschen, wie eine Maschine gleichmäßig über Tag
und Nacht hinweg zu funktionieren. Steigende Unfallzahlen, verbunden mit
steigenden Kosten führten dann endlich zu der Einsicht, dass der Mensch
eine recht unzuverlässige "Maschine" ist, auf dessen "Schwachstellen"
Rücksicht genommen werden muß. Der Mensch ist, wie alle Lebewesen,
eingebunden in die
Die meisten Lebensfunktionen
des Menschen sind durch einen rhythmischen Verlauf gekennzeichnet. Als
Beispiele seien der Pulsschlag,
Der charakteristische Verlauf der verschiedenen Funktionen mit jeweils einem Maximalwert und einem Minimalwert am Tage ist nicht die einzige periodische Veränderung. Zusätzlich sind auch schnellere Schwankungen zu erkennen. Als Beispiel sei hier die Kreislauflabilität genannt, die zwei Maxima innerhalb eines 24-Stunden Tages aufweist. Neben einem deutlich ausgeprägten Maximalwert gegen 3 Uhr morgens zeigte sich auch ein Maximum gegen Mittag. Dies bedeutet, dass der Mensch nicht nur nachts, sondern auch mittags mit einem instabileren Kreislauf lebt, während er zu den übrigen Zeiten stabilere Werte aufweist. Über den Tag hinweg ist somit nicht ein einheitlicher Verlauf mit einen Maximal- und einen Minimalwert (circadiane Periodik), sondern es sind mehrere Schwankungen (ultradiane Periodik), zu erkennen. Eine ganz andere Funktion, wie die relative Häufigkeit einschlafbedingter Verkehrsunfälle, verläuft ähnlich. Hier steigt nicht nur nachts die Anzahl der Unfälle an, auch am Tage zeigt sich am frühen Nachmittag ein Maximum in den Unfallzahlen. Zeigen sich diese Schwankungen auch in dem Wechsel von Schlafen und Wachen? Dies würde bedeuten, dass der Schlaf nicht nur an die Nachtzeit gebunden ist, sondern die zugrundeliegende Regulation auch auf Tagschlafphasen eingestellt ist. In Untersuchungen, die das Auftreten von Schlaf während des Tages ermöglichten, fand sich neben der Hauptschlafphase während der Nachtzeit auch ein zweiter bevorzugter Zeitpunkt für Schlaf. Der Tagschlaf trat mithin nicht beliebig, sondern zu einer ganz bestimmten Zeit auf. Das Auftreten einer zweiten Schlafphase während des Tages entspricht im Alltag dem Mittagsschlaf. Dessen Auftreten scheint davon abzuhängen, ob die Umweltbedingungen eine solche Ruhephase zulassen. Kinder und ältere Menschen halten in der Mehrzahl einen kurzen Tagschlaf.. Ebenso gehört ein Mittagsschlaf in der nicht-industrialisierten Umwelt zum Alltag. Die Befunde weisen darauf hin, dass die zweite bevorzugte Schlafphase eine biologischen Grundlage hat. Dies bedeutet nicht, dass der Mensch hier schlafen muß, denn je nach Motivation und Umgebungsbedingungen kann dieser Zeitpunkt auch ohne Schlaf übergangen werden. Offenbar ist die "mittägliche" Schlafphase weniger stark ausgeprägt als die nächtliche Phase. Gleichzeitig entspricht sie jedoch dem Zustand des Organismus in der zweiten Nachthälfte, da viele psychologische und physiologische Variablen zu diesem Zeitpunkt auch ohne Schlaf einen vergleichbaren Verlauf wie in der Nacht zeigen. Eine Verringerung der Leistungsfähigkeit, größere Fehlerrate, verstärkte Müdigkeit sowie eine Absenkung der Körpertemperatur, unabhängig von einer Mahlzeiteneinnahme weisen darauf hin, dass der Organismus einen ähnlichen Umstellungsprozeß wie in der zweiten Nachthälfte erfährt. Dies spricht für eine Ruhephase zu diesen Zeitpunkten. Der Gesamtorganismus ist demnach von seiner Kapazität her grundsätzlich nicht auf eine lange Aktivitätsdauer und eine einzige Ruhephase innerhalb eines Tages eingestellt, sondern zeigt in der Aktivitätsphase zumindest noch einen Wechsel in die Ruhephase. Dieser Befund findet nun auch Berücksichtigung in der Arbeitswelt. In den USA und auch in Europa wird nun verstärkt die Möglichkeit, eine Mittagsruhe- pause in den Arbeitsalltag einzuplanen, in die Tat umgesetzt.
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| Volkswirtschaftliche
und gesellschaftliche Schäden durch Schlafstörungen
Depressionen und damit in
Zusammenhang stehende Schlafstörungen richten gravierende volkswirtschaftliche
Schäden in Höhe mehrerer Hundert Milliarden Dollar. So wurden
in Deutschland auf Grund depressiver Erkrankungen 1993 elf Millionen Arbeitsausfalltage
registriert und 1995 knapp 19 000 Frühberentungen bewilligt.
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| Was ist Chronobiologie?
Die Chronobiologie befasst sich mit folgenden Themenbereichen:
"inneren Uhr", so muss er in der Nacht mit Schlafstörungen und am Tage mit Müdigkeit rechnen. Nicht verwechselt werden sollte dieser wissenschaftliche Ansatz in der Rhythmusforschung mit der "Biorhythmik", die sich spekulativ mit imaginären Rhythmen befasst. Hiervon distanziert sich die Chronobiologie ausdrücklich. |
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Interessantes aus der Chronobiologie
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