| Hormone sind chemische Botenstoffe,
die in einem komplexen Netzwerk miteinander kommunizieren und sich gegenseitig
regulieren. Sie koordinieren im Körper alle wichtigen Funktionen und
Bereiche wie Stoffwechsel, Schlaf, Wohlbefinden, Hunger, Durst, Antrieb,
Psyche, Sexualität, Fortpflanzung und Wachstum. Meist werden wir ihrer
Bedeutung erst dann bewusst, wenn ihr sensibles Gleich- gewicht gestört
ist.
Wie sind die Zusammenhänge
zwischen Depression und Stress?
Die Wirkungen der verschiedenen im Körper aktiven Substanzen wie Serotonin, Noradrenalin, Acetylcholin, CRH, DHEA, Oxytocin, Östrogen, Gestagen, Progesteron, Prolactin, Testosteron, Tryptophan, Dopamin, Cortisol, Cortison, Adrenalin, iodhaltigen Hormone, Insulin, Vitamine und Mineralien sind erstaunlich vielschichtig und kompliziert. Ist im Körper das Hormongleichgewicht gestört, kann dies zu Krankheiten wie der Depression führen. Die Ursache der Depression ist eine Störung des Hormonhaushaltes im Gehirn. Alle sinnvollen therapeutischen Maßnahmen haben die Normalisierung und Wiederherstellung des natürlichen hormonellen Gleichgewichts zum Ziel.
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| Zusammenhang von Depression
und Stress
Langanhaltender Stress kann kann zu hormonellen Störungen führen und ebenfalls ein Risikofaktor bei depressiven Erkrankungen sein. Die depressiven Erkrankungen in modernen Industrienationen werden oft in einem Zusammenhang mit den rasanten Veränderungen von Gesellschaft und Wirtschaft gesehen. Dabei spielen Faktoren wie Arbeitsplatzunsicherheit, wachsende Anforderungen an Mobilität und Flexibilität, Auflösung vertrauter Strukturen, Leistungsdruck und innerbetrieblicher Konkurrenzkampf eine zunehmende Rolle. Diese These ist jedoch sehr umstritten, neuere Erkenntnisse untermauern eine andere These, nach der eine vorhandene leichte oder schwere Depression dem Menschen Schwierigkeiten bei der Bewältigung seiner Aufgaben macht und leicht zu Stressmomenten, chronischer Nervosität und Situationen der Überforderung führen kann. Auf der anderen Seite zeigen viele Studienn, dass jene Hormone, die der Bewältigung außergewöhnlicher Belastungen dienen, auch die Entstehung von Depressionen beeinflussen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen drei hierarchisch arbeitende Hormondrüsen mit dem Hypothalamus an der Spitze: Diese zentrale Hirnregion produziert den "Corticotropin-Freisetzungsfaktor" (CRF). Durch die Blutgefäße transportiert, sorgt CRF in der kirschgroßen Hirnanhangsdrüse -,der Hypophyse -,für die Erzeugung des Hormons Corticotropin, das seinerseits die Rinde der Nebennieren zur Produktion von Stress-Hormonen wie Cortisol und Corticosteron anregt. Sinn der Hormonkaskade mit ihren mehrstufigen Regelkreisen ist es, den Körper in eine dem Stress angemessene Alarmbereitschaft zu versetzen. Diese ausgewogene Balance scheint bei Depressiven nicht zu funktionieren. Hunderte von Untersuchungen haben gezeigt, daß in deren Stress-Hormon- kaskade immer Hochflut herrscht, abzulesen an einer chronischen Überproduktion von Cortisol oder CRH. Umgekehrt entwickeln gesunde Versuchstiere, die eine Extradosis CRH erhalten, klassische Merkmale von Depression: Sie leiden unter Angst und Schlaflosigkeit, fressen wenig und sind geschlechtlich kaum aktiv. Dass langanhaltender Stress
zu Depressionen führen kann, gilt als erwiesen. Auf der anderen Seite
gibt es das epidemiologisch ausgewiesene Phänomen, dass in Kriegszeiten
- also in Phasen größter psychischer Verunsicherung und existenzieller
Bedrohung - die Zahl der depressiven Erkrankungen und suizidalen Handlungen
deutlich zurückgeht. Dieser Effekt zeigt sich in allen europäischen
Ländern und gilt sowohl für Männer als auch für Frauen.
Positiver Stress Stress hat primär die
evolutionsbiologische Funktion, durch die Ausschüttung von Stresshormonen
im Organismus die Aufmerksamkeit und Anspannung zu erhöhen, um in
Gefahrensituationen blitzschnell reagieren zu können. Stress ist also
ursprüngliche eine natürliche positive Reaktion des Körpers.
Diese durchaus gesunde Reaktion des Körpers führt zu erhöhter
Leistungsfähigkeit und sowohl in mentaler als auch körperlicher
Hinsicht. Ein ganz wichtiges Kriterium des gesunden und positiven Stresses
("Eustress") ist es, dass das Hormonsystem nach kurzer Zeit wieder zügig
herunter gefahren wird und zur Ruhe kommt. Die aktivierte Energie wird
positiv genutzt, es findet eine Energieentladung statt. Eustress hat etwas
mit Herausforderung zu tun, nicht mit Überforderung und verhilft zu
gutem Schlaf!
Negativer Stress Distress dagegen ist der
negative Stress. Es wird zwar wie bei Eustress Energie aktiviert, kann
jedoch nicht positiv genutzt werden, sondern hemmt und blockiert die Leistungsbereitschaft.
Distress ist immer ein Zeichen für Überforderung und ist mit
gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbunden. Die durch die Stresssituation
ausgelöste Hormonkaskade wird nicht durch eine Energieentladung abgebaut.
Eine geregelte Stressreaktion ist aber von höchster Wichtigkeit. Werden
die Stresshormone nicht durch Aktivität abgebaut, macht einem der
Stresszustand Schwierigkeiten. Die Folge können sein: Nervosität,
Schlafstörungen, Kopfschmerzen, erhöhter Blutdruck, Asthma, Arteriosklerose,
chronisch werdender Stress, Depression.
Depressionsbetroffene leben im leichten Dauerstress Wenn der Abbau der Stresshormone nicht durch Aktivität erfolgen kann, tut das gesunde Gehirn alles, um wieder schnell ins Gleichgewicht zu kommen: Der Neurotransmitter Serotonin hat die Fähigkeit, den Abbau der Stresshormone herbeizuführen. Liegt allerdings ein Serotoninmangel vor, wie es bei der Depression der Fall ist, gelingt der Stressabbau auf diesem Wege nicht. Depressiven fällt es daher schwer zu innerer Ruhe zu kommen, sie leben im Dauerstress bzw. reagieren auf Herausforderungen wieder mit einer unangemessenen Stressreaktion.
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| Stress - Was läuft
ab? - Die Hormonkaskade
Jedes Mal, wenn wir eine
Situation erleben, die den Körper in außergewöhnlicher
Weise fordert, wird unser Stresshormon-System aktiviert. Ein frühes
Anzeichen einer Stressreaktion ist die erhöhte Freisetzung eines Peptids
namens Corticotropin-freisetzendes Hormon (CRH) durch das limbische System,
einen Hirnbereich, der Stimmungen und Ängste beeinflusst. CRH wiederum
regt die Produktion des bekannten Stresshormons Cortisol an, welches, sobald
es in den Blutkreislauf gelangt, den Körper darauf vorbereitet, der
belastenden Situation zu begegnen. Die Freisetzung von Cortisol ist während
einer Infektionskrankheit, bei einer Depression, bei einem akuten psychischen
Trauma oder chronischem Stress erhöht. Beide Hormone, CRH und Cortisol,
sind wichtige Faktoren, um die Reaktionen auf Stress zu koordinieren; dieses
Kontrollsystem wird durch mannigfache biologische Vorgänge und Prozesse
aufrecht erhalten.
Die Rolle von Adreanalin
und Noradrenalin
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| Neues aus der Forschung:
Mögliche Therapie gegen die Depression mit Substanzen, die das Stresshormonsystem
regulieren
Forschungen am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München haben gezeigt, dass das Kontrollsystem für Stresshormone bei Depressionskranken gestört ist. Es wurde untersucht, ob das vom Gehirn freigesetzte Stresshormon CRH auch auf der Verhaltensebene die für eine Depression charakteristischen Anzeichen und Symptome hervorrufen kann. Zahlreiche Versuche an Menschen, Ratten und Mäusen weisen darauf hin, dass CRH tatsächlich Verhaltensänderungen hervorruft, die der Psychopathologie der Depression entsprechen. Beispielsweise verstärkt eine erhöhte Konzentration von CRH im Gehirn die Angst, stört das Denkvermögen, vermindert den Appetit, den Schlaf sowie die sexuellen Bedürfnisse - alles Kardinalsymptome der Depression. Die Auswirkungen von CRH werden durch einen spezifischen Rezeptor übertragen. Mit Hilfe von molekulargenetischen Techniken wurde eine Mäusemutante entwickelt, der dieser besondere CRH-Typ-1-Rezeptor fehlt. Bei diesen Mäusen ist die psychologische Reaktion auf Stress vermindert, d.h. sie haben in Stresssituationen weniger Angst und weniger kognitive Störungen. Aufgrund dieser Experimente nimmt man an, dass die Kardinalsymptome der Depression mit einer erhöhten Aktivität des CRH-Systems im Gehirn zusammenhängen, welche ihrerseits die Symptome der Depression bewirkt. Durch Substanzen, welche die Aktivität des CRH am CRH-Rezeptor verhindern, kann möglicherweise die depressiogene Wirkung des CRH ausgeschaltet werden. Solche Substanzen konnten inzwischen identifiziert werden. Ihre antidepressive Wirksamkeit wird zur Zeit in Studien geprüft.
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| Zusammenhang von Hormonen
und Immunsystem
Für die Gesundheit und das Wohlbefinden sind psychische Vorgänge genauso wichtig wie physische. Beispielsweise führt die mentale Unausgeglichenheit zur Ausschüttung von Stresshormonen, bei deren Abbau die zellschädigenden freien Radikale entstehen. Im Körper findet ein ständiger Dialog in den Regelkreisen Gehirn, Immunsystem und hormonellem System statt. Gehirn und Immunsystem besitzen nämlich ähnliche Botenstoffe, welche auch vom jeweils anderen Organ erkannt werden. |