Ärzte Zeitung
"Die innere Uhr kann
nicht wie eine Armbanduhr umgestellt werden"
Ab Sonntag gilt wieder
die Winterzeit / Licht und Dunkelheit geben den Takt vor
NEU-ISENBURG (ine). In der Nacht zum Sonntag
wurden die Uhren wieder um eine Stunde zurück gestellt. Die Umstellung
kann sich wie ein kleiner Jetlag auswirken.
"Die innere Uhr ist ein neuronales Gewebe,
sie kann nicht wie eine Armbanduhr sofort umgestellt werden", sagt der
Heidelberger Pharmakologe Professor Björn Lemmer im Gespräch
mit der "Ärzte Zeitung". Empfindliche Menschen können ein oder
zwei Tage brauchen, um sich umzustellen.
"Alle Körperfunktionen variieren
tagesrhythmisch", erklärt der Direktor des Instituts für Pharmakologie
und Toxikologie der Uni Heidelberg. Das gilt für Blutdruck, Stoffwechsel
und mentale Fähigkeiten - nach einer Studie kommt es nach der Umstellung
zu mehr Verkehrsunfällen.
"Auch Krankheiten treten nicht gleichmäßig
über 24 Stunden hin auf." Herzinfarkte geschehen überwiegend
vormittags, Asthmaanfälle nachts. Für die Expression der inneren
Uhr sind Gene verantwortlich.
"Da unsere innere Uhr nicht im 24-Stunden-Takt,
sondern in einer Periode von etwa 25,1 Stunden läuft, muß sie
immer wieder neu eingestellt werden." Wichtigster Zeitgeber ist der Wechsel
von Licht und Dunkelheit.
"Was die Sommerzeit letztendlich bringt,
kann ich nicht sagen", sagt Lemmer. Früher gab es das Argument des
Energieeinspareffekts, heute wird dies jedoch von Experten bezweifelt.
Hinzu kommt, daß der technische Aufwand und die Kosten groß
sind. "Und da wir heute in Büros die Nacht zum Tage machen und so
eher unphysiologisch leben, bringt die Zeitumstellung gar nicht viel."
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