Ärzte Zeitung, 15.10.2002
Schema hilft bei Wahl des
geeigneten Antidepressivums
Bei chronischen Erkrankungen
sind Depressionen häufig
FRANKFURT AM MAIN (ner). Chronische Erkrankungen
gehen oft mit Depressionen einher. Dafür wird zwar oft Verständnis
geäußert, behandelt wird dagegen meist nicht, kritisiert Professor
Diethard Müller, niedergelassener Neurologe und Psychiater aus Ilmenau.
Müller wies in Frankfurt am Main
darauf hin, daß zum Beispiel Patienten mit chronischen Herzkreislauf-Erkrankungen
ein dreifach erhöhtes Sterberisiko haben, wenn sie zusätzlich
an Depressionen leiden. Wenn ein Patient nach einem Schlaganfall halbseitengelähmt
ist, werde es als natürlich angesehen, daß dieser depressiv
wird. "Doch es kommen zu wenige auf die Idee, den Patienten antidepressiv
zu behandeln", so Müller bei einer Veranstaltung des Unternehmens
Merz Pharmaceuticals. Ärzte seien schon von der Ausbildung her zu
sehr auf organische Symptome fixiert. Deren depressiver Hintergrund müsse
häufiger als bisher erkannt werden.
Gleichzeitig haben Ärzte mit Vorurteilen
von Betroffenen gegen Medikamente zu kämpfen: Psychopharmaka machten
krank und süchtig, stellten ruhig statt zu heilen oder lieferten den
Patienten den Ärzten aus. Mit modernen Antidepressiva könne man
solchen Meinungen entgegentreten. Müller empfiehlt bei der Entscheidungsfindung
für ein Präparat das STEPS-Schema. Das Akronym steht für:
Safety, Tolerability, Efficacy, Payment und Simplicity.
Schneiden hinsichtlich der Effektivität
und der Kosten die trizyklischen Antidepressiva sehr gut ab, sprechen nach
Angaben von Müller Sicherheits- und Verträglichkeitsaspekte sowie
die Einfachheit der Einnahme vor allem für Johanniskraut und selektive
Serotonin-Antagonisten. Müller hob die Vorteile des Antidepressivums
Reboxetin (vom Unternehmen als Solvex® angeboten) hervor, einem selektiven
Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Es wirke ebenso effektiv wie Imipramin
oder selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sowie auch bei SSRI-Non-Respondern.
Unerwünschte Wirkungen seien gering. In Studien kam es nicht zu Gewichtszunahmen
oder Vigilanzstörungen. Fahr- und Berufstauglichkeit blieben erhalten.
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