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Ärzte Zeitung, 06.08.2001
 
 

Gerade für Schwangere können Antidepressiva notwendig sein

Studie widerspricht häufig geäußerter Annahme

BRISTOL (Rö). Nicht nach der Niederkunft ist, wie oft angenommen wird, die Rate der Depressionen erhöht, sondern
während der Schwangerschaft.

Dies steht im Gegensatz zu der Annahme, daß eine Schwangerschaft vor Depressionen schütze und daß die
Erkrankung bei Schwangeren eher selten sei, berichten britische Wissenschaftler der Universität von Bristol, die
Studienergebnisse dazu jetzt im "British Medical Journal" (323, 2001, 257) veröffentlicht haben.

Der Psychiater Dr. Jonathan Evans hat in einer longitudinalen Kohortenstudie alle Frauen im Ort Avon untersucht, bei
denen während anderthalb Jahren eine Niederkunft erwartet wurde. Mit einem standardisierten Test, der zur Diagnose
von Depressionen nach der Niederkunft verwendet wird, wurden die Frauen in der 18. und 32. Schwangerschaftswoche
untersucht. Dabei zeigte sich, daß während der Schwangerschaft die Raten der Depressionen höher waren als nach
der Geburt.

Ob Depressionen der Schwangeren negative Konsequenzen für die Kinder haben, sei nicht bekannt, sagen die
Wissenschaftler. Sie empfehlen jedoch, für die Frauen eine Therapie zu erwägen. Denn es spricht, zumindest bei
schweren Depressionen Schwangerer, mehr für als gegen eine antidepressive Pharmakotherapie. Sonst sei das
Risiko groß, daß die Erkrankung chronisch wird.

In einer Analyse von Studien mit Frauen, die Antidepressiva in der Schwangerschaft eingenommen hatten, hat sich, wie
berichtet, gezeigt, daß es kein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko bei trizyklischen Antidepressiva gibt und auch nicht bei
Serotoninwiederaufnahme-Hemmern. Auch schwere Fehlbildungen treten nicht gehäuft auf.
 

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