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Ärzte Zeitung, 09.09.2003
 
Fehlzeiten durch Depressionen nehmen zu

Studie der TK: 18 von 500 Millionen Fehltage am Arbeitsplatz gingen auf die Diagnose einer Depression zurück

BERLIN (ami). Etwa jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann dürften bis zum Rentenalter von einer depressiven Erkrankung betroffen sein. Das schätzt Dr. Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) in Hannover.
Basis der Schätzung ist der Gesundheitsreport 2002 mit dem Schwerpunkt "Depressive Erkrankungen", den das ISEG für die Techniker Krankenkasse erstellt hat.

Innerhalb der letzten drei Jahre hätten mehr als jede zehnte weibliche und jeder zwanzigste männliche TK-Versicherte mindestens einmal ein Antidepressivum erhalten. Im selben Zeitraum seien 1,8 Prozent der Männer und 3,9 Prozent der Frauen wegen depressiver Erkrankungen arbeitsunfähig gewesen.

"Eine Besonderheit der psychischen Erkrankungen sind die langen Fehlzeiten", sagte TK-Vorstandsmitglied Dr. Christoph Straub bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung gingen 18 von 500 Millionen Fehltagen im Jahr 2002 auf die Diagnose "depressive Störungen" zurück. Straub hält es für wahrscheinlich, "daß man durch frühere und intensivere Medikation die Arbeitsunfähigkeitsquoten senken könnte." 
TK und ISEG beobachten außerdem einen deutlichen Anstieg der Fehlzeiten aufgrund von depressiven Erkrankungen, während der Krankenstand insgesamt etwa gleich blieb. Straub deutet das als "zunehmende Akzeptanz des Krankheitsbildes unter Ärzten und Psychotherapeuten".

Andererseits gibt es noch organisatorischen Verbesserungsbedarf: "Die Versorgerseite schafft es bisher noch nicht optimal, ihr Angebot zu koordinieren", sagte Straub der "Ärzte Zeitung". Hausärzte müßten besser in Netzwerke eingebunden werden, etwa in das Kompetenznetz Depression, das facharztzentrierte Information anbiete. Demnächst soll zudem eine "Entstigmatisierungskampagne" für die Öffentlichkeit starten.
 

 

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