Selbstbehandlung bei
Depressionen hat Risiken
MÜNCHEN (sto). Vor einer Selbstbehandlung
mit Johanniskraut- Präparaten bei Depressionen hat der Münchner
Psychiater Professor Ulrich Hegerl gewarnt. Solche Präparate seien
nur für die Behandlung bei leichten bis mittelschweren Depressionen
zugelassen. "Eine schwere Depression ist eine Kontraindikation", sagte
Hegerl in München.
Depressionen seien schwere, oft lebensbedrohliche
Erkrankungen, betonte Hegerl, der Sprecher des Kompetenznetzes Depression
ist. "Wer unter Depressionen leidet, benötigt professionelle Hilfe",
erklärte er in einer Mitteilung des Kompetenznetzes Depression. "Die
meisten Präparate, die im Supermarkt oder einer Drogerie verkauft
werden, enthalten Johanniskraut-Extrakt in zu niedriger Dosierung und bleiben
deshalb ohne Wirkung", heißt es dort.
Nach Schätzung des Kompetenznetzes
gehen vier von zehn depressiven Patienten nicht zum Arzt und riskieren,
daß sich ihr Gesundheitszustand weiter verschlechtert. Tiefe Hoffnungslosigkeit,
die Unfähigkeit, Freude zu empfinden, Schlafstörungen und körperliche
Beschwerden gehören zu den Anzeichen einer Depression. "Die Krankheit
ist mit einem hohen Suizidrisiko verbunden", erklärte Hegerl.
Angesichts des Suizidrisikos könne
eine Selbstbehandlung bei Depressionen schwerwiegende Folgen haben, warnte
Hegerl. Angehörige und Freunde sollten Betroffene ermutigen, die Hilfe
eines Arztes oder Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen und sie notfalls
zum ersten Termin begleiten, empfahl er.
Hegerl räumte ein, daß Johanniskraut
von Patienten oft besser vertragen wird als andere Medikamente gegen Depressionen.
Dennoch gebe es - wie bei synthetischen Arzneimitteln auch - Neben- und
Wechselwirkungen, etwa mit Antidepressiva der älteren und neueren
Generation. "Betroffene Patienten sollten die Therapie-Möglichkeiten
offen mit ihrem Arzt besprechen", sagte Hegerl.
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