Ärzte Zeitung
Wer nicht träumt,
kann emotional verarmen
REM-Schlaf ist wichtig für die Auswahl
von Gedächtnisinhalten und Affekten / Starke Aktivität des Gehirns
im Schlaf
MÜNCHEN (bwa). Wie wichtig der Tiefschlaf
für Gesundheit und Schönheit ist, darüber ist in letzter
Zeit viel diskutiert
worden. Doch auch der Traum- oder REM-Schlaf
ist wesentlich für das Wohlbefinden. Denn diese Zeit nutzt der
Mensch, um sich psychisch zu stärken
und vielleicht auch neue Variationen des Handelns und Denkens zu
entdecken.
Dies erklärte Professor Eckhart Rüther,
Direktor der Psychiatrischen Klinik und Poliklinik der Georg-August- Universität
Göttingen auf dem Tag des Schlafes
in München. "Es spricht alles dafür, daß der lebhafte Traumschlaf
für bestimmte
Gedächtnisfunktionen besonders wichtig
ist, auch wenn diese neue Erkenntnis noch nicht restlos bewiesen ist",
so
Rüther. Aber es gibt Anzeichen für
die Wichtigkeit der REM-Phasen, in die wir fünfmal innerhalb einer
Nacht eintauchen.
In dieser Zeit laufen mehr Prozesse im
ZNS ab als im Tiefschlaf. Das Gehirn ist sogar aktiver als während
der wachen
Phase am Tag.
Aus den Untersuchungsergebnissen, die zum
Teil auch aus dem Schlaflabor Göttingen stammen, schloß Rüther,
"dass
das Gehirn die hohe Aktivität vermutlich
nutzt, um alle möglichen Reaktionen oder Affekte zu entdecken und
spielerisch
durchzuprobieren." Rüther verglich
diese Tätigkeit mit dem Spiel eines Kindes, in welchem die Realität
simuliert wird.
Auch der Traumschlaf kann die Bandbreite
des Handels erweitern und eine flexible Reaktionsweise auf neue
Situationen ermöglichen.
Menschen, die nie träumen, wie es
vor allem bei neurotischen oder krankhaften Veränderungen, sowie unter
Medikation
der Fall ist, leiden daher unter einer
starren emotionalen Fixierung. Ebenso sind Menschen, die nicht ausschlafen
und
vor dem Ende der REM-Phasen wach werden,
gefährdet, emotional zu verarmen.
Als weitere Funktion des REM-Schlafes beschrieb
Rüther die Auswahl der Gedächtnisinhalte, die sich während
eines
Tages angereichert haben, für den
Dauerspeicher. Für das Speichern der aktuellen Informationen und Erlebnisse
ist
dann nicht mehr die REM-Phase mit ihrem
hohen Cortisolpegel zuständig, sondern die Tiefschlafphase, in der
melatoningesteuert vermehrt Wachstumshormone
ausgeschüttet werden.
Deshalb können beispielsweise Traumatisierungen
vermieden werden, wenn ein Schicksalsopfer in der ersten Nacht
am Tiefschlaf gehindert wird und zudem
eine Cortisolspritze erhält. Dies erklärte Professor Jürgen
Zulley,
Schlafforscher und -therapeut an der psychiatrischen
Klinik der Universität Regensburg.
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