Neues Konzept hilft,
Depression früh zu erkennen
FRANKFURT AM MAIN (ner). Etwa 1,5 bis zwei
Millionen depressive Patienten werden nicht adäquat behandelt oder
die Diagnose ist noch gar nicht gestellt
worden. Um dies zu ändern, haben ein Arzt und ein Psychologe ein Konzept
erarbeitet, das Ärzte beim Erkennen
maskierter Depressionen unterstützen soll und eine pragmatische Hilfe
bei der
Behandlung solcher Patienten anbietet.
Schätzungsweise etwa vier Millionen
Menschen haben derzeit in Deutschland eine Depression. Davon suchen nur
40
Prozent einen Arzt auf, bei der Hälfte
von ihnen konstatiert der Arzt eine depressive Störung, und lediglich
30 Prozent
werden antidepressiv behandelt. Von diesen
Patienten wiederum hält nach einem Vierteljahr nur etwa jeder dritte
die
ärztlichen Therapievorschläge
ein. Diese Zahlen präsentierte Privatdozent Dr. Bernd Ahrens, Psychiater
und
Psychotherapeut an der Freien Universität
Berlin, bei einer Veranstaltung des Unternehmens Dr. Willmar Schwabe in
Frankfurt am Main.
Ahrens und sein Kollege Diplom-Psychologe
Günter Grotheer aus Berlin haben "emovis" - Institut für emotionale
Gesundheit - gegründet und das Konzept
"Sonne für die Seele" erarbeitet, das Wege zu einer adäquaten
Versorgung
depressiver Patienten zeigen soll. Es
soll Hausärzten helfen, ein Krankheitsverständnis für depressive
Patienten zu
entwickeln, Therapieansätze zu erklären
und die Zeit bis zum Wirkungseintritt der Therapie zu überbrücken.
"Es wird oft gesagt, Ärzte haben zu
wenige Zeit", sagte Grotheer. "Doch es kommt darauf an, wie die wenige
Zeit
ausgefüllt wird. Man kann in fünf
Minuten ein gutes oder auch ein schlechtes Gespräch führen."
Der Arzt erhalte konkrete
Vorschläge für die Gestaltung
seiner Beratung, so Ahrens. Die Beratungsinhalte geben für jede Behandlungswoche
ein
definiertes Ziel und sollen den Patienten
den Fortschritt der Therapie deutlich machen. Zusätzlich werde das
diagnostische Auge des Arztes geschärft.
Dies könne helfen, auch maskierte Depressionen mit starken körperlichen
Beschwerden zu erkennen.
|