Ärzte
Zeitung, 05.06.2003
Manisch-Depressive
leiden schwer an Depression
Bei
bipolaren Störungen dreimal soviele depressive wie manische Tage /
Gute Phasen-Prophylaxe mit Lamotrigin
SAN
FRANCISCO (wst). Manisch- depressive Patienten sind in erster Linie schwer
depressive Patienten, die manchmal eine Manie haben. So verbringen Patienten
mit bipolaren Störungen im Durchschnitt mehr Tage in depressiven als
in manischen Episoden. Daher ist eine Phasenprophylaxe, die Depressionen
vorbeugt, besonders wichtig.
Bei
einer prospektiven Studie mit 258 Patienten mit bipolaren Störungen
litten die Patienten zwar im Schnitt an drei depressiven und an fünf
manischen Episoden im Jahr, hat Dr. Heinz Grunze von der psychiatrischen
Universitätsklinik München berichtet. Die Zahl der depressiven
Tage war jedoch mit 121 dreimal so hoch wie die Zahl der manischen und
hypomanischen Tage mit 40, berichtete Grunze beim US-amerikanischen Psychiatriekongreß
in San Francisco.
Wiederkehrende
und lang andauernde Depressionen sind auch öfter als manische Phase
Ursache für Arbeitsplatzverlust, Frühberentung und familiäre
Probleme. Zudem ist die Selbstmordrate während einer depressiven Phase
bei bipolaren Patienten noch höher als bei unipolar Depressiven, hieß
es bei einer Veranstaltung des Unternehmens GlaxoSmithKline, die per Satellit
in neun deutsche Städte übertragen wurde. So sei das Suizidrisiko
bei Patienten mit bipolarer Störung etwa 22 Mal höher und bei
unipolarer Depression etwa 20 Mal höher als bei gesunden Personen.
In
der Phasenprophylaxe von manisch-depressiven Patienten scheint zur Verhütung
depressiver Episoden das Antiepileptikum Lamotrigin (Lamictal®) besser
zu wirken als Lithium, sagte Grunze. Ein weiterer Vorteil von Lamotrigin,
dessen Zulassung für Patienten mit bipolaren Störungen bereits
beantragt wurde: Bei einer Therapie mit dem Mittel nehmen Patienten eher
ab, dagegen nimmt bei einer Therapie mit Lithium das Gewicht bekanntlich
oft deutlich zu.
Als
weitere Hilfe kann eine Psychotherapie die medikamentöse Behandlung
unterstützen: Die Intervalle zwischen den Krankheitsepisoden würden
damit größer, sagte Grunze.
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