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Ärzte Zeitung, 14.01.2002

SSRI erhöhen die Chance für eine ausreichende Therapie
Bei Patienten mit Depressionen senkt längere Behandlung mit einem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) das Rezidiv-Risiko

HAMBURG (grue). Für depressive Patienten gibt es heutzutage wirksame und gut verträgliche Medikamente. Werden sie für längere Zeit angewandt, läßt sich das Rezidiv-Risiko nach Angaben von Privatdozent Dr. Stephan Volk aus Hofheim erheblich vermindern.

Höchstens vier Prozent der depressiven Patienten nehmen länger als drei Monate ein Antidepressivum ein, beklagte Volk auf einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer in Hamburg. Ein Grund für die schlechte Compliance seien Probleme mit klassischen trizyklischen Antidepressiva (TZA). Sie könnten erhebliche unerwünschte Wirkungen haben und die die Kognition beeinträchtigen. Aus Angst davor würden solche Medikamente oft in zu niedriger Dosierung verordnet und wirkten dann nicht ausreichend. Und das sei dann ein weiterer Grund für die Patienten, das Präparat frühzeitig abzusetzen.

Moderne Antidepressiva wie die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) seien ebenso wirksam wie TZA, aber besser verträglich, so Volk. Das belege etwa eine Vergleichsstudie mit dem SSRI Sertralin (Zoloft®) und dem TZA Amitriptylin bei Patienten mit schwerer Depression. Bei etwa 60 Prozent der Patienten bessern sich mit Sertralin in einer Dosierung von 50 Milligramm täglich die Beschwerden innerhalb von vier Wochen deutlich. Das Rückfall-Risiko könne durch eine längere Behandlung mit dem SSRI erheblich reduziert werden, betonte Volk.

Unerwünschte Wirkungen der SSRI wie Übelkeit, Durchschlafstörungen, Unruhe, Sexualstörungen und Kopfschmerzen treten meist nur zu Beginn der Behandlung auf und sind bei neueren Substanzen wie Sertralin weniger ausgeprägt. Die Substanzen machen nicht müde und schränken die Fahrtauglichkeit nicht ein.

"Sie werden deshalb von jüngeren Patienten eher akzeptiert, zumal auch die Gefahr der Gewichtszunahme gering ist", sagte Volk. Aber auch für multimorbide ältere Patienten seien die SSRI gut geeignet, weil es keine Interaktionen mit dem hepatischen Cytochrom P450-System gibt.

Die Anwendung von Sertralin beschränke sich nicht auf Depressionen, so der Neurologe. Die Substanz sei auch bei Angst- und Zwangsstörungen sowie bei posttraumatischen Belastungsstörungen wirksam und in anderen Ländern auch für diese Indikationen zugelassen. In Deutschland wird nach Angaben des Unternehmens derzeit keine Erweiterung der Indikation angestrebt.

 

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