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Ärzte Zeitung, 21.11.2003
 
Schlüssel zur Diagnose Depression kann Frage nach dem Schlaf sein
Leitlinien zur ambulanten Versorgung von Depressiven

BERLIN (nsi). Ein Patient klagt über Kopfschmerzen, häufigen Druck in der Magengegend, allgemeine Abgeschlagenheit. Er fühlt sich matt und kraftlos. Dann sollten Kollegen fragen: "Schlafen Sie schlechter als früher?", rät Professor Mathias Berger, Direktor der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg.

Denn hinter den somatischen Beschwerden kann eine Depression stecken, die häufig mit Schlafstörungen assoziiert ist. "Mit der Frage nach dem Schlaf bahnt ein Arzt den Weg zu drei weiteren Fragen, die für die Diagnose einer Depression in der Praxis des Hausarztes ganz zentral sind", sagte Berger der "Ärzte Zeitung" bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin.
"Schläft ein Patient schlechter als früher, sollten sich Kollegen erkundigen, ob er sich oft bedrückt fühlt, ob es ihm schwerer fällt, den Alltag zu bewältigen und ob er seltener Dinge tut, die er sonst gerne getan hat." Antworte der Patient auf diese Fragen mit "ja", leide er mit großer Wahrscheinlichkeit an einer Depression.

96 Prozent beträgt die Sensitivität des kleinen Fragenkatalogs für die Diagnose einer depressiven Störung. Diese Störung kann auch durch andere psychiatrische Erkrankungen oder körperliche Krankheiten hervorgerufen werden.
Mögliche somatische Ursachen wie Hypo- oder Hyperthyreodismus, Neoplasien oder Infekte sollten durch EKG, neurologische und laborchemische Untersuchungen abgeklärt werden, heißt es in den "Versorgungsleitlinien für depressive Störungen in der ambulanten Praxis", die aktuell zum Kongreß erschienen sind (Zeitschrift für ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung, 11/2003, Urban & Fischer, München). Schätzungen zu Folge werden nur die Hälfte der depressiven Störungen richtig diagnostiziert.

"Patienten mit einer leichten bis mittelschweren Depression kann der Hausarzt oft gut pharmakologisch und mit Zuwendung behandeln, zumal er auslösende Faktoren und sozialen Hintergrund der Patienten kennt", so der Psychiater Professor Max Schmauß, Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Augsburg.

Die Überweisung an einen Psychotherapeuten sei möglich, aber nicht immer gewünscht und auch nicht immer erforderlich. Verringert sich die Symptomatik nicht, ist die Diagnose unklar oder handelt es sich um eine schwere Depression, ist der Facharzt gefragt. Dasselbe gilt für die Behandlung von Suizidgefährdeten oder Patienten mit Psychosen.
 
 

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