Forschung
aktuell
BERLIN (nsi). Ein Patient klagt über Kopfschmerzen, häufigen Druck in der Magengegend, allgemeine Abgeschlagenheit. Er fühlt sich matt und kraftlos. Dann sollten Kollegen fragen: "Schlafen Sie schlechter als früher?", rät Professor Mathias Berger, Direktor der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg.
Denn hinter den somatischen
Beschwerden kann eine Depression stecken, die häufig mit Schlafstörungen
assoziiert ist. "Mit der Frage nach dem Schlaf bahnt ein Arzt den Weg zu
drei weiteren Fragen, die für die Diagnose einer Depression in der
Praxis des Hausarztes ganz zentral sind", sagte Berger der "Ärzte
Zeitung" bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie,
Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin.
"Schläft ein Patient
schlechter als früher, sollten sich Kollegen erkundigen, ob er sich
oft bedrückt fühlt, ob es ihm schwerer fällt, den Alltag
zu bewältigen und ob er seltener Dinge tut, die er sonst gerne getan
hat." Antworte der Patient auf diese Fragen mit "ja", leide er mit großer
Wahrscheinlichkeit an einer Depression.
96 Prozent beträgt die
Sensitivität des kleinen Fragenkatalogs für die Diagnose einer
depressiven Störung. Diese Störung kann auch durch andere psychiatrische
Erkrankungen oder körperliche Krankheiten hervorgerufen werden.
Mögliche somatische
Ursachen wie Hypo- oder Hyperthyreodismus, Neoplasien oder Infekte sollten
durch EKG, neurologische und laborchemische Untersuchungen abgeklärt
werden, heißt es in den "Versorgungsleitlinien für depressive
Störungen in der ambulanten Praxis", die aktuell zum Kongreß
erschienen sind (Zeitschrift für ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung,
11/2003, Urban & Fischer, München). Schätzungen zu Folge
werden nur die Hälfte der depressiven Störungen richtig diagnostiziert.
"Patienten mit einer leichten bis mittelschweren Depression kann der Hausarzt oft gut pharmakologisch und mit Zuwendung behandeln, zumal er auslösende Faktoren und sozialen Hintergrund der Patienten kennt", so der Psychiater Professor Max Schmauß, Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Augsburg.
Die Überweisung an einen
Psychotherapeuten sei möglich, aber nicht immer gewünscht und
auch nicht immer erforderlich. Verringert sich die Symptomatik nicht, ist
die Diagnose unklar oder handelt es sich um eine schwere Depression, ist
der Facharzt gefragt. Dasselbe gilt für die Behandlung von Suizidgefährdeten
oder Patienten mit Psychosen.